Hauptinhalt Kurztaste 1

150 Jahre MUSIKKAPELLE WÖRGL

150 Jahre MUSIKKAPELLE WÖRGL

(c) Stadtarchiv Wörgl

Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass in Wörgl, so wie in anderen Orten schon seit Jahrhunderten, musiziert und gesungen wird. Die erste schriftliche Erwähnung eines Klangkörpers stammt aus dem Jahr 1876, worin zu lesen ist, dass ein Andrä Gwiggner der bereits bestehenden Bürgermusikkapelle beigetreten ist. Trotz intensiver Recherchen war ein Gründungsdatum dieser Kapelle feststellbar, deshalb blieb man dabei, das Jahr 1876 als Gründungsjahr anzusehen.

Dieser Bericht befasst sich mit den Anfangsjahren der Wörgler Musikkapelle(n). Die jüngere Geschichte kann der Homepage der Kapelle (https://mk-woergl.at) entnommen werden.

Die Anfänge der Bürgermusik standen auf schwachen Beinen, denn als 1886 in Wörgl der große Bezirksfeuerwehrtag abgehalten wurde, mussten sich die Veranstalter die Musikkapelle Angath als Festmusik „ausleihen“. Wahrscheinlich unter dem Eindruck dieses Mangels begann Franz Strobl d. Ä. mit der Ausbildung von Musikanten, wobei es ihm unter großen Mühen gelang, eine bescheidene Kapelle aufzubauen.

Aus den Resten der Bürgermusik bildete sich unter Patronanz des Feuerwehr-Kdt. Michl Hauser (Spieglwirt) im Jahr 1889 eine Feuerwehrmusik, die an die beiden Gemeinden Kufstein-Wörgl und Rattenberg-Wörgl 1891 mit dem Ansuchen um Unterstützung herantrat. Die Gemeindeväter waren von der Notwendigkeit überzeugt und leisteten von nun an einen Jahresbeitrag von 60 Gulden (€ 1.050 in heutiger Kaufkraft).

Um die Jahrhundertwende nahm die Blasmusik einen großen Aufschwung: Die Musikausbildung durch Franz Strobl trug ihre Früchte und der allgemeine Bevölkerungszuwachs führte frische Talente ins Dorf.

Im Jahr 1901 bekam die Bürgermusik mit Gründung der Arbeitermusik durch Johann Thummer eine starke Konkurrenz. Das Auftreten der zweiten Wörgler Musikkapelle befruchtete zweifellos das Musikleben; manche, hauptsächlich in politischen Gegensätzen begründete Disharmonien, führten allerdings zu gelegentlichen persönlichen Misstönen.

 

Bereits 1903 waren beide Kapellen Gründungsmitglieder des Unterinntaler Musikbundes. In der Folge entwickelte sich die Arbeitermusik zu einer fast ausschließlich von Eisenbahnern zusammengesetzten Kapelle.

Der spätere Bürgermeister Michael Unterguggenberger leitete eine eigene Jugendmusikkapelle und komponierte u.a. 1912 den „Jubiläumsmarsch“. Sein Nachfolger war Gottlieb Weißbacher, der mit seinen „Fidelen Inntalern“ weitum bekannt war und über 400 Melodien komponierte.

 

Das politische Schicksal des Landes bestimmte auch jenes der beiden Kapellen. Nachdem viele als Soldaten in den Krieg mussten löste sich die Bürgermusik aus Mangel an Musikanten auf.

Der Eisenbahnermusik ging es besser: Bahnbedienstete blieben überwiegend in ihrem Beruf und so konnte sich ihre Kapelle am Leben erhalten.

Am 29. April 1946 beschlossen Funktionäre der Eisenbahner- und der Bürgermusik, die beiden Kapellen zu fusionieren und, ab 1951, als Stadt- und Eisenbahner-Musikkapelle aufzutreten.

Seit beinahe 60 Jahren führt man die Bezeichnung „Stadtmusikkapelle Wörgl“.

An dieser Stelle möchte ich noch kurz auf ein paar herausragende Kapellmeister eingehen:

Johann Gwiggner: Sein Name ist untrennbar mit der Geschichte der Bürgermusik verbunden. Er war 40 Jahre Kapellmeister und führte diese durch viele Krisenzeiten ohne große Ansprüche zu stellen: „Grad z’gleich aufhören, dös is die Hauptsach‘“, war einer seiner Sprüche.

Johann Thummer, Vater und Sohn: Der Gründer der Arbeitermusik war 35 Jahre lang Kapellmeister, sein Sohn, von 1900 bis 1972 bei den verschiedenen Kapellen aktiv, war 22 Jahre Kapellmeister.

Peter Silberberger: Im Jahr 1973 übernahm der heute noch aktive Musikant dieses Amt und übte es für insgesamt 21 Jahre aus. Der Musikpädagoge bemühte sich mit Erfolg um die Aus- und Weiterbildung junger Menschen – die Basis für den nachhaltigen Bestand der renommierten Kapelle.

Für unsere Stadt ist die Musikkapelle von großer kultureller und gesellschaftlicher Bedeutung. Sie ist ein Ort, an dem Demokratie gelebt wird und junge Menschen in einem sicheren Umfeld reifen können. Ein großes Dankeschön gilt allen ehrenamtlich Wirkenden für ihr Engagement im Sinne einer lebendigen Gemeinschaft.

Fotos: Archiv Peter Silberberger

Kontakt: Stadtchronist Toni Scharnagl,  chroniststadt.woergl.at

Veröffentlicht: 25.03.2026