Das Freigeld-Experiment von Wörgl

Die 1929 ausgelöste Weltwirtschaftskrise und die Umstellung der Bahn vom Kohlebetrieb auf die Elektrifizierung machte der Wörgler Wirtschaft zu Beginn der 30er Jahre zu schaffen. Am 1. Juni 1930 wurde das Heizhaus aufgelassen, hunderte Bahnarbeiter waren zur Abwanderung gezwungen. 1931 wurde u.a. das größte Unternehmen in der Marktgemeinde, die Zellulosefabrik stillgelegt und damit mehrere hundert Arbeiter brotlos. Rund 400 Arbeitslose in der engeren Gemeinde - davon 200 "Ausgesteuerte", die auf die Armenfürsorge der Gemeinde angewiesen sind. 1.500 Arbeitslose in der Region und täglich kamen neue hinzu.

Die Gemeinde ist nicht mehr in der Lage, ihren Verpflichtungen - etwa die Instandhaltung der Straßen - nachzukommen. Sie konnte nicht mehr die Zinsen für ihre Schulden in Höhe von S 1,3 Mio. bezahlen. Das einzige Guthaben waren Steuerrückstände der Bewohner, die aber aufgrund der wirtschaftlich trostlosen Lage uneinbringlich waren. Viele Arbeiterfamilien lebten vom Spargroschen, immer mehr "Ausgesteuerte" wurden im Amt vorstellig.

Die gesamte Wirtschaftslage war geprägt von einer Deflation: Die Preise der Waren fielen, das Geld gewann ständig an Wert und wurde deshalb auch zurückgehalten: Waren Anschaffungen nicht unbedingt nötig, so wartete man ab - bei fallenden Preisen die logische Folge.

Arbeitswertscheinausgabe

Die Folge war aber auch, daß das Geld im Wirtschaftskreislauf fehlte. Die in Umlauf befindliche Geldmenge, damals noch an die Goldreserven gebunden, verkleinerte sich, Geld wurde "Mangelware". vor diesem Hintergrund arbeitete Michael Unterguggenberger sein Nothilfe-Programm aus, das am 8. Juli 1932 vom Gemeinderat ungeachtet der Parteienzugehörigkeit und der in vielen Punkten nicht überbrückbaren Weltanschauungen einstimmig angenommen wurde.

Weitere Informationen erhalten sie vom Unterguggenberger Institut Wörgl