Brief der Bürgermeisterin an die Wörgler Bevölkerung

Brief der Bürgermeisterin an die Wörgler Bevölkerung

Foto © Pichler

Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn jemand vor wenigen Wochen angedeutet hätte, wie wir heute unseren Alltag gestalten, er wäre nicht unter Quarantäne gestellt worden, aber man hätte ihm angeraten, sich an einen Psychiater zu wenden. Seit einer Woche jedoch leben wir anders. Demokratischen Grundrechte außer Kraft gesetzt, die gedankenlose Bequemlichkeit unseres Daseins jäh unterbrochen! COVID zwingt uns in einen Alltag, der keiner mehr ist. Wir sind verunsichert, geängstigt, verwirrt, auch zornig. Noch nie gab es seit dem Zweiten Weltkrieg eine ähnliche Situation. Plötzlich sind wir auf uns zurückgeworfen. Wir erleben extreme Nähe mit den Menschen in unserem Haushalt und zugleich größte Distanz zu anderen Menschen.

Wir von der Stadtgemeinde versuchen, Ihnen das Leben zu erleichtern, wo wir können. Zwar mussten auch wir auf Notbetrieb setzen (um die Gesundheit der Bediensteten nicht zu gefährden), dennoch gibt es viele Möglichkeiten, die Sie nutzen können. Als eifrige User unserer Homepage (www.woergl.at) haben Sie sicher längst herausgefunden, welche Dienste Sie in Anspruch nehmen können. Wörgler Betriebe aller Art haben sich bereit erklärt, Zustelldienste zu leisten, viele Freiwillige stehen bereit, Waren zu bringen oder Hilfe zu bieten, wenn jemand seine Wohnung nicht verlassen kann. Sie finden auf der Homepage nicht nur amtliche Informationen, sondern werden auch über alle Initiativen, die das Zusammenleben auf Distanz angenehmer machen, informiert.
Eine der liebenswertesten ist wohl das „Gemeinsam-statt-einsam-Telefon“. Viele Menschen sind in diesen Tagen nicht nur allein, sondern einsam. Damit sich nicht düsteres Grübeln in unsere Gedanken frisst, bietet komm!unity Gedankenaustausch per Telefon an.

Sehr geehrte Damen und Herren, wie lange wir in dieser Zeit der Ungewissheit verharren müssen, lässt sich im Augenblick noch schwer abschätzen. Gelassenheit und Selbstdisziplin sind von Nöten, wenn wir jetzt ein paar Wochen auf die Bremse steigen müssen.
Wenn das Leben wieder zur „Normalität“ zurückkehrt, wird vieles nicht mehr so sein wie vorher. Bereits jetzt fürchten Klein(st)- und Mittelbetriebe um ihre Existenz, steigen die Arbeitslosenzahlen dramatisch an, schnüren die Corona- gebeutelten Staaten enorme finanzielle Hilfspakete. Auch die Gemeinde Wörgl befasst sich bereits mit den Auswirkungen auf das Budget, geschuldet der nach unten revidierten Konjunkturprognose. Sie können allerdings alle unsere einheimischen Unternehmen bereits jetzt unterstützen. Folgen Sie dem Aufruf, im Ort, in der Region zu kaufen, bei Wörgler Unternehmen zu bestellen, Einkäufe zu verschieben, bis die lokalen Geschäfte wieder geöffnet haben.

Ich bedanke mich aus ganzem Herzen bei allen, die in diesen schwierigen Tagen uns alle unterstützen, beim Team der Stadtgemeinde, bei allen Pflegenden und Bediensteten des Seniorenheims, bei den Kindergärtnerinnen, die freiwillig während der Osterferien die Kinderbetreuung aufrecht halten, beim Bauhof, beim Stadtmarketing, bei den Blaulichtorganisationen, die uns derzeit besonders wertvolle Helfer sind, bei allen Freiwilligen und jenen, die mit guten Ideen unser Leben erleichtern.

Liebe Wörglerinnen und Wörgler, bitte halten Sie die Bestimmungen ein, folgen Sie den amtlichen Mitteilungen! Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme werden uns helfen, diese misslichen Tage zu auszuhalten.

Bleiben sie gesund!

Ihre Bürgermeisterin

Hedi Wechner