Die Geschichte der Wörgler Schwimmbäder

Der im Jahre 1886 u.a. vom Arzt Dr. Anton von Avanzini und dem Baumeister Josef Mayr gegründete Verschönerungsverein – Vorläufer des Tourismusverbandes - widmete sich zu Beginn seiner Tätigkeit insbesondere dem Bahnhof und seiner Umgebung, den man als Visitenkarte des Dorfes für ankommende und abreisende Gäste betrachtete: Der Platz wurde stets sauber gehalten und zwischen dem Stationsgebäude und der Gastwirtschaft ein Gehsteig aus Steinplatten angelegt, der in der Nacht sogar beleuchtet wurde.
Die Ansprüche der „Fremden“ gingen aber über das Aufstellen von Bänken und Anlegen von Wanderwegen hinaus und so entschloss man sich im Jahre 1908 zum Bau eines Schwimmbades am Eingang des Müllnertales an der Wildschönauer Straße.
Die Befürworter im Verein hatten allerdings mit ihrem Projekt kein Glück: Schattig gelegen, wehte aus der Klamm immer ein kühles Lüftchen und das Wasser des Wörgler Baches war zum Baden viel zu kalt. Genug Gründe dafür, dass das Bad von Einheimischen und Gästen nie so richtig angenommen und nach ein paar Jahren geschlossen wurde.
Der von neuen Männern vertretene Verschönerungsverein nahm im Herbst 1926 einen neuen Anlauf. Gegenüber dem Krankenhaus, an einem sonnigen Platz an der Augasse, bot sich eine günstige Möglichkeit für ein Freischwimmbad. Bei Eröffnung glaubte man die Anerkennung der Mehrzahl der Wörgler verdient zu haben, denn man hatte ja eine seit Jahren von der Bevölkerung geforderte Anlage geschaffen.
Tatkräftige Unterstützung bei Errichtung kam auch vom Turnverein. Das Bad hatte ein wettkampfgerechtes 25-m-Becken und wurde in den 1930er Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg gerne genutzt. Die rigorosen Vorschriften des NS-Regimes machten auch vor dem Schwimmbad nicht halt. Im Schreiben vom 6. Juni 1943 weist der Landrat darauf hin, daß „ein mit Deutschen gemeinsamer Besuch für Polen und Ostarbeiter verboten ist“.
- Die Benützung der Badeanlagen ist nur im Badekleid gestattet. Dieselbe hat den guten Sitten und den Gesetzen zu entsprechen.
- Am Mittwoch von 13 bis 15 Uhr ist der Zutritt und das Bad nur für Frauen und Mädchen gestattet.
- Wer betrunken ist oder den Anstand verletzt, wer mit ekelerregenden Krankheiten behaftet ist, wer sich den Weisungen des Bademeisters nicht fügt, ist von diesem sofort zum Verlassen der Anstalt zu verhalten bzw. wird ihm der Eintritt verweigert.
Trotz der schönen Lage hatte das Bad mit Auslastungsproblemen zu kämpfen und stellte für den Verschönerungsverein eine große Belastung dar. Vielleicht war das Wasser des Wörgler Baches doch zu kalt…
Bereits 1954 wurde der Ruf nach einem neuen, beheizten, Schwimmbad laut. Bis zu einer Entscheidung sollten aber noch etliche Jahre ins Land ziehen. 1969 wurde seitens der Stadt ein Freibad am Madersbacherweg, eine Schwimmbadanlage im Lahntal oder ein Hallenbad im neuen Schulzentrum zur Diskussion gestellt. Der Gemeinderat entschied sich für den Bau des Hallenbades mit Sauna, das 1973 eröffnet wurde. Im Sommer 1974 wurde mit dem Bau des Freischwimmbades am Madersbacherweg begonnen, welches am 7. Mai 1976 in Anwesenheit von Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger eröffnet wurde und bis 2002 in Betrieb war. Mit den beheizten Becken vermittelte das Bad die Qualität eines Naherholungszentrums.
Die bis 1908 zurückreichende Geschichte der Wörgler Schwimmbäder fand ihre Fortsetzung im WAVE (2003 bis 2021) und soll mit dem „Wörgler Badl“ einen vorläufigen Abschluss finden.
Noch ein Blick zurück: Der erste Badebetrieb wurde bereits 1885 im Bad Eisstein eröffnet! Das „Badl“, ein noch heute geläufiger Begriff für diesen Ort, hat offiziellen Status bekommen, nachdem das Quellwasser vom Aubach schon länger für seine Heilkraft bekannt war. Das „Badl“ dürfte die erste echte Attraktion von Wörgl gewesen sein, auch wenn es durch viele und kurz aufeinanderfolgende Besitzerwechsel weniger als Bad, sondern mehr als Einkehr für Ausflügler betrachtet wurde.
Der erholungssuchenden und sportbegeisterten Wörgler Bevölkerung ist zu wünschen, daß mit dem „Wörgler Badl“ in absehbarer Zeit wieder ein schönes Schwimmbad zur Verfügung steht.
Kontakt: Stadtchronist Toni Scharnagl, chronist∂stadt.woergl.at


