Hauptinhalt Kurztaste 1

Emotional durch bewegte Zeiten

Barbara Dorfer

Gro├čartiges auf der Kleinstkunstb├╝hne erlebte das Publikum in der Zone W├Ârgl mit Barbara Dorfer und Martin Heis, die am 10. Februar 2024 bei ihrer musikalischen Zeitreise durch das 20. Jahrhundert von Florian Reider am Piano begleitet wurden. Eine Revue, die in bunten Kost├╝men mit wundervollen, emotional interpretierten Liedern und verbindenden Texten Geschichte unter die Haut gehen l├Ąsst.

Als B├╝hnenstar mit Glanz & Glamour fasziniert die Kufsteinerin Barbara Dorfer, die f├╝r jedes Lied, das sie f├╝r die jeweilige Epoche ausgew├Ąhlt hat, in ein neues Kost├╝m schl├╝pft und mit ihrer ausdrucksstarken Stimme rund 30 Hits eines ganzen Jahrhunderts interpretiert. Mit verbindenden Texten liefert Martin Heis unterhaltsam verpackt historische Fakten, spannt immer wieder den Bogen in die Gegenwart und bringt mit Gedichten und Zitaten etwa von Rilke, Hesse oder Erich Fried und Mahatma Gandhi die Sehnsucht nach einer besseren Welt zum Ausdruck.

Die Beiden fanden sich ├╝bers Theaterspiel beim Stadttheater Kufstein und entwickelten das gelungene B├╝hnenformat der nostalgischen Zeitreise nach der Idee von Barbara Dorfer gemeinsam. Die Reise beginnt 1907 mit der schottischen Volksweise Auld Lang Syne ÔÇô ein Abgesang auf die alten Zeiten an der Zeitenwende zum 20. Jahrhundert, das mit Krieg und Grippe-Pandemie beginnt. Nach Wirtschaftskrise und dem Aufstieg rechter Parteien folgt der n├Ąchste Weltkrieg. Aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt? Fragt sich Martin Heis angesichts der Tatsache, dass es noch nie so viele Kriege auf der Welt gab als heute.

Doch selbst aus den dunkelsten Zeiten schimmert Hoffnung wie ein Silberstreif am Horizont ÔÇô und Barbara Dorfer setzt mit ihrer Liedauswahl dazu Statements: Ob Marlene Dietrichs ÔÇ×Ich bin von Kopf bis Fu├č auf Liebe eingestelltÔÇť ├╝ber ÔÇ×Somewhere over the rainbowÔÇť oder dem jiddischen Schlager ÔÇ×Bei mir bist du scheenÔÇť, den die Nazis verboten. So verbindet man mit Lili Marleen ebenso eine ganze Epoche wie mit Brechts Haifisch-Song aus der Dreigroschenoper. Die Lebensfreude der Nachkriegszeit und die Jugendrebellion der 60er Jahre schwingt in den Songs der Beatles mit, ABBA und Nena landen Hitparaden-Dauerbrenner und mit ÔÇ×Band AidÔÇť setzen 1985 mit dem Welthit ÔÇ×We are the WorldÔÇť 47 K├╝nstler ein un├╝berh├Ârbares Pl├Ądoyer f├╝r Menschlichkeit, Mitgef├╝hl und Hilfe.

Der ÔÇ×Wind of ChangeÔÇť bl├Ąst beim Mauerfall 1989 ÔÇô und so fordern auch Barbara Dorfer und Martin Heis mit ihrer Revue dazu auf, nie mit dem Tr├Ąumen aufzuh├Âren. Da steht dann Withney Houston mit ÔÇ×I┬á always love youÔÇť auf der B├╝hne und getreu dem Motto ÔÇ×Unterhaltung mit HaltungÔÇť bekommt Reinhard Mey┬┤s Antikriegs-Ballade ÔÇ×Nein, meine S├Âhne geb ich nichtÔÇť ebenso ihren Platz in der musikalischen Zeitreise, die mitÔÇ×A Million DreamsÔÇť und ÔÇ×What a wonderful WorldÔÇť mit einem positiven Blick auf die Zukunft endete.

Sonderapplaus erhielt an diesem Abend auch Florian Reider, der kurzfristig mit nur einer Probe (!) als Klavierbegleiter einsprang und einf├╝hlsam und souver├Ąn alle musikalischen H├Âhenfl├╝ge meisterte. Beim herausfordernden Kost├╝mwechsel hinter der B├╝hne unterst├╝tzte Lilly Staudigl und an der Technik sorgten Andy Winderl und Ramon Kohlmann vom Zone-Team f├╝rs passende Ambiente.

Foto / Text: Veronika Spielbichler

Ver├Âffentlicht: 16.02.2024