FASCHING anno dazumal

Kindergruppe vor der Hauptschule (c) Stadtarchiv Wörgl
Die Vorläufer von Fasching oder Karneval reichen weit ins Altertum zurück. Charakteristisch für die ausgelassenen Umzüge und Feste der Neuzeit war das Gleichheitsprinzip: Mächtige und Untergebene sind gleichgestellt, zwischen Klassen und Ständen gibt es keinen Unterschied. Die Zeiten brachten viele Veränderungen mit sich, wenn man aber zum Beispiel den Karneval in Venedig oder die sehr aufwendig gestalteten Festwägen in Rio de Janeiro sieht, so kann man ohne Wenn und Aber behaupten, dass, um aufzufallen, Mittel eingesetzt werden, die nur Wenige aufbringen können und von Gleichheit keine Rede sein kann.
Hans Federer beschreibt in den Wörgler Heimatschriftchen von 1957 den Fasching so:
„Nach Dreikönig beginnt das lustige Treiben der Fasnacht. Da ging es früher oft hoch und lustig her! Fasnachtzeit war einst eine laute Zeit! Sie war lauter als alle anderen fröhlichen Zeiten des Jahres; denn vor ihr ist die stille, zur Einkehr mahnende Advent- und Weihnachtszeit, und nach ihr kommt die stumme Fastenzeit. Infolge verschiedener Mißbräuche versuchten die Behörden wohl dieses Brauchtum niederzuhalten – doch ab Mitte des 19. Jahrhunderts lebten die alten Überlieferungen wieder neu auf. Fast in jedem Ort gab es ulkige Männer, die zur Faschingszeit das „Sündenregister“ der Inwohner mit Gedichten und Gesängen meist öffentlich vorführten.“
Das „öffentliche Vorführen“ haben Extraausgaben von Zeitungen übernommen.
So berichtet „Die Keule“ – Wörgler Faschingszeitung aus dem Jahr 1913 – von einer Sitzung des Gemeinderates:
Der Bürgermeister verliest zum Schluss noch ein Telegramm des Innenministeriums: „Ein Teil der Ausschussmitglieder soll in Anerkennung der großen Verdienste bei geheimen Sitzungen, die für die Wählerschaft gänzlich unkontrollierbar sind, für die Geheimratswürde in Vorschlag gebracht werden“.
Die Namen der Zeitungen änderten sich (Wörgler Schnitzlbank, Bruggnhockerratschn, Städt. Faschingzeitung, Die Bruggnhockarin), viele können sich noch an die „Zwidawurz’n“ erinnern, die erstmals 1980 erschienen ist.
Faschingsfeiern in Gasthäusern wie im Badl, beim Morandell, Aufinger oder Astner waren ebenso beliebt wie das Faschingsschilaufen auf der Riederwies in Wörgl-Boden und der Maskenschilauf am Hennersberg. Von 1958 bis Ende der 1980er-Jahre hielt der Tennisclub sein weit über Wörgl hinaus bekanntes Gschnasfest ab, meistens beim „Schachtner".
Einen besonderen Zweck erfüllte der Umzug der „närrischen Bruckenhocker“ des Jahres 1950, an dem sich 46 Festwägen und Gruppen beteiligten. Der Erlös war für die Anschaffung der neuen Kirchenglocken vorgesehen.
Im Jahr der Stadterhebung – 1951 – nahmen am Umzug sogar 50 Gruppierungen teil und das immer noch aktuelle Thema „Strandbad der Zukunft“ durfte ebenso nicht fehlen wie „Der Mensch im Jahr 2000“. Leider sind dazu keine Aufnahmen vorhanden, auch der Wagen „Großsender Wörgl – angeschlossen alle umliegenden Misthäufen“ wäre interessant. Das Stadtarchiv würde sich über historische Aufnahme von den Umzügen sehr freuen.
Veranstaltungen für Kinder und Pensionisten sowie die Faschingsgaudi des Stadtmarketings tragen dazu bei, dass der Brauch in Wörgl – wenn auch in bescheidenem Rahmen – weiterlebt.
Bilder: Stadtarchiv, Walter Avanzini
Kontakt: Stadtchronist Toni Scharnagl, chronist@stadt.woergl.at

