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Ferdinand Mayr – Wörgls Baumeister des 20. Jahrhunderts

Ferdinand Mayr – Wörgls Baumeister des 20. Jahrhunderts

„Es hat in meinem Leben keine Minute gegeben, in der mir langweilig war!“ Dieser Satz von KR Dipl.-Ing. Ferdinand Mayr in der Wörgler Rundschau vom März 1981 beschreibt seinen Lebensweg am besten.

Geboren am 12. Februar 1896 als Sohn des Wörgler Baumeisters Ferdinand Mayr und dessen Frau Amalia, deren Vater der erste Arzt in Wörgl mit Universitätsabschluss war.  Sein Großvater Joseph war der erste gewerbliche Bauunternehmer in Wörgl - er gründete 1862 jene Firma, die heute noch als „Alois Mayr Bauwaren“ existiert und weitum bekannt ist.

Ferdinand maturierte 1914 an der Oberrealschule in Innsbruck. 1920 absolvierte er ein Architektur-Studium an der Karls-Universität in Prag. Nach Praxisjahren bei Architekten in Prag und Dresden kehrte er nach Wörgl zurück, um die Firma seines 1918 verstorbenen Vaters zu übernehmen. Dort heiratete er auch seine Frau Maria, die er in der Studienzeit in Prag kennengelernt hatte, die ihm die Kinder Walter und Ingeborg schenkte. Walter setzte als Architekt die Familientradition fort, seine Schwester war für viele Jahre Lehrerin in Wörgl.

Die Marktgemeinde Wörgl wurde einige Jahr zuvor durch die Vereinigung von zwei kleineren Gemeinden gebildet und erlebte in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg einen enormen Aufschwung, in den 1930er-Jahren aber auch bittere Not. Bereits zu dieser Zeit war Mayr bemüht, als Obmann des Verschönerungsvereines und in verschiedenen Gemeindeausschüssen zur Verbesserung der Lebensumstände der Menschen beizutragen.

 

Ferdinand Mayr prägte als Architekt und Baumeister wesentlich das Ortsbild von Wörgl. Der Bau der Hauptschule und die Planung des Waldfriedhofs mit der prägnanten Kapelle nach einer Idee des Krippenvaters Johann Seisl, die Spitalskirche sowie das Kirschl-Haus und diverse Villen waren die herausragenden Werke vor dem 2. Weltkrieg.

Der Krieg verwüstete unsere Stadt massiv, der Wiederaufbau war von immenser Bedeutung. Die größte Baustelle Westösterreichs war der Neubau des Bahnhof- und Postgebäudes. Dieser große Komplex mit sämtlichen Nebengebäuden und Gleisanlagen wurde von Ferdinand Mayr geplant und erbaut und 1951 im Zuge der Stadterhebungsfeier von Bundespräsident Dr. Theodor Körner eröffnet.

Ebenfalls erwähnenswert sind das erste Wörgler Hochhaus in der Augasse, die Molkerei und zahlreiche Wohn- und Geschäftsgebäude.

Dipl.-Ing. Ferdinand Mayr war über vier Jahrzehnte bis 1969 als Vertreter des Bezirkes Kufstein in der Kammer der gewerblichen Wirtschaft für das Baugewerbe tätig und gründete 1956 die Ortsgruppe des Wirtschaftsbundes, der er bis 1968 als Obmann vorstand.

Ein Höhepunkt seines Wirkens für seine Heimatstadt war die einstimmige Wahl zum Bürgermeister im Jahre 1959. Die kurze Amtszeit von drei Jahren fiel zusammen mit einer stürmischen Aufwärtsentwicklung der jungen Stadt. Wichtige Leistungen dieser Periode waren die Ansiedlung von Industriebetrieben, die sowohl durch die Schaffung dringend benötigter Arbeitsplätze sowie als Steuerzahler zum Aufschwung Wörgls beitrugen. Die Beseitigung der hässlichen, aus der Kriegszeit stammenden Baracken soll nicht unerwähnt bleiben - ebenso wenig der Umstand, dass Bürgermeister Mayr seine Funktion ehrenamtlich ausführte und sich in dieser Zeit nie um öffentliche Aufträge beworben hat. Ab 1962 galt seine ganze Kraft wieder seinem Bauunternehmen.

Er machte mit seiner Familie zahlreiche Reisen. Kurze Kunstreisen nach Italien standen ebenso auf dem Programm: Der Kunst- und Architekturgeschichte galt schon seit jeher sein besonderes Interesse.

Dipl.-Ing. Ferdinand Mayr wurde vom Bundespräsidenten mit dem Ehrentitel „Kommerzialrat“ ausgezeichnet. 1982 verlieh ihm seine Heimatstadt für seinen Einsatz und seine Leistungen die Ehrenbürgerschaft.

Ferdinand Mayr verstarb im Jänner 1984 im 88. Lebensjahr an den Folgen eines tragischen Verkehrsunfalls. Das Begräbnis fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt. Ferdinand Mayr ruht seither in der Familiengruft im alten Wörgler Friedhof.

Veröffentlicht: 25.02.2026