Nie wieder Faschismus und Nationalsozialismus

Nie wieder Faschismus und Nationalsozialismus

Rief in ihrer Gedächtnisrede gegen Hass und Intoleranz auf: BGMin Hedi Wechner (l.) (Foto Wilhelm Maier)

Auch in diesem Jahr gedachten Vertreter der Wörgler Sozialdemokratie am 12. Februar den Opfern des Faschismus und Nationalsozialismus. Der 12. Februar gilt als Beginn des Österreichischen Bürgerkrieges, der auch an Wörgl nicht spurlos vorüberging…

Denn am Abend des 12. Februar 1934 versammelten sich die Wörgler Schutzbundangehörigen im „Gasthof zur Rose" in der Bahnhofstraße. Von der Bezirkshauptmannschaft Kufstein wurde die Besetzung des Gasthofs durch die Heimwehr „zur Vermeidung jeder Störung der öffentlichen Ordnung" angeordnet Der damalige Bürgermeister Michael Unterguggenberger und Vbgm. Josef Ralser, beide Sozialisten, intervenierten aus diesem Grund am Polizeiposten, um zu erreichen, dass nicht die Heimwehr, sondern die Polizei das Arbeiterheim besetzen möge. Dies wurde ihnen zugesagt, wenn sie im Gegenzug vollständige Ruhe garantieren könnten. Der ehemalige Obmann der Sozialistischen Partei Wörgls, Johann Lenk, widersetzte sich allerdings der Räumung des Parteiheims. Seine Verhaftung wurde von den Schutzbündlern Alois Brunner (1943 mit seiner Frau Josefine von den Nazis hingerichtet), Franz Ehrensperger, Rudolf Koo, Franz Lebeda und Johann Loibichler vereitelt. Bei den am Folgetag stattfindenden heftigen Feuergefechten hatten beide Seiten Verwundete zu beklagen…

Josefine Brunner - eine Frau, die im Kampf gegen den Nationalsozialismus ihr Leben gab

1932 trat Josefine Brunner der Wörgler Ortsgruppe der Sozialdemokratischen Partei bei. Dort lernte sie den Eisenbahner Alois Brunner (geb. am 2. Jänner 1907 in Deutsch-Matrei) kennen. Beide heirateten im August 1938. Alois Brunner war seit 1935 Leiter des Stützpunktes Wörgl, eines Netzes von Vertrauensleuten oppositioneller Sozialisten, welches der SPD-Funktionär Waldemar von Knoeringen von seinem Prager Exil aus in Bayern und Österreich ins Leben gerufen hatte. Ziel der Organisation, die in Österreich auch Gruppen der Revolutionären Sozialisten in Innsbruck, Salzburg und Wien (Leitung: Otto Haas) umfasste, war der Austausch von Informationen über die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Geschehnisse sowie die Vorbereitung auf eine Machtübernahme nach der Niederlage des Nationalsozialismus. Da Alois Brunner als bekannter Sozialdemokrat und Teilnehmer am Februaraufstand 1934 politisch belastet war, übernahm Josefine Brunner die Aufrechterhaltung des Kontakts zu Waldemar von Knoeringen und zu einzelnen Zweigstellen des Widerstandsnetzes. Im August 1937 reiste sie in die Tschechoslowakei, wo sie in verschiedenen Techniken der Herstellung und Übermittlung geheimer Nachrichten geschult wurde. Josefine Brunner sorgte nun als Kurierin in Österreich, Deutschland und der Schweiz für die Verbreitung von Nachrichten und Lageberichten, die sie zum Teil selbst verfasste. Sie setzte diese Tätigkeit auch nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich fort. Im Jahr 1941 transportierte sie aus Deutschland Schusswaffen, Munition sowie Material für von Alois Brunner geplante Sabotageaktionen an Eisenbahnwagen nach Wörgl.

Gestapo lässt Netzwerk auffliegen

Anfang 1942 gelang es der Gestapo, das Widerstandsnetz aufzurollen. Am 16. Mai wurden Josefine und Alois Brunner festgenommen und zusammen mit mehreren Gesinnungsgenossen wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt. Während ihrer Haft war Josefine Brunner schweren Folterungen ausgesetzt. In der Verhandlung des 6. Senats des Volksgerichtshofs vom 28. Mai 1943 wurde das Ehepaar zum Tod und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Ein Gnadengesuch von Josefine Brunners Mutter an den Oberreichsanwalt blieb unberücksichtigt. Josefine und Alois Brunner wurden am 9. September 1943 in der Haftanstalt München/Stadelheim hingerichtet.